Manuela Schwesig
Photo: BMFSFJ

Grußwort
der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend,
Manuela Schwesig
für die Tagung „I, Scientist — The conference on gender, career paths and networking”
Berlin, 12. – 14. Mai 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen und viele Grüße zur Tagung „I, Scientist” über Karrierewege für Frauen in den Naturwissenschaften und in der Mathematik. Als Bundesfrauenministerin finde ich es richtig, dass Frauen in unterschiedlichen Berufen und Bereichen Gender zum Thema machen. Sie spüren Benachteiligungen auf, Sie vergewissern sich Ihrer Ressourcen — und Sie beziehen Männer mit ein. Das alles unterstütze ich. Danke für die Initiative zu dieser Konferenz!

„I, Scientist” — im Englischen kommt diese Selbstbeschreibung ohne Geschlecht aus. Die fachliche Qualifikation ist Grundlage des Selbstverständnisses im Beruf — so sollte es sein. Aber auch in den Naturwissenschaften ist eine hohe fachliche Qualifikation allein noch keine Garantie für beruflichen Erfolg. Noch immer stehen einer weiblichen Karriere oft strukturelle Hindernisse im Weg. In den Ingenieurwissenschaften beispielsweise sind knapp 20 Prozent aller Promovierenden und schon seit Jahren durchschnittlich 16 Prozent aller Habilitierenden Frauen. Und doch gibt es große Forschungsorganisationen mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt, die gerade einmal 10 Prozent Frauen in höhere Funktionen berufen. Insgesamt ist in der Wissenschaft in Deutschland noch immer weniger als jede fünfte C4/W3-Professur und weniger als jedes fünfte Rektorat oder Präsidium mit einer Frau besetzt. Weniger als ein Drittel aller Kanzlerinnen und Kanzler an deutschen Hochschulen sind Frauen.

Was die großen Unternehmen und den öffentlichen Dienst angeht, gehen wir den Weg fester Quoten in den Aufsichtsräten börsennotierter und voll mitbestimmter Unternehmen und verbindlicher selbstgewählter Zielvorgaben in den Führungsetagen zahlreicher weiterer Unternehmen. Das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männer an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst, in Kraft getreten am 1. Mai 2015, ist ein historischer Schritt und hat einen Kulturwandel in den Unternehmen eingeleitet. Dort, wo über Einkommen, Fortkommen und über die Arbeitsbedingungen entschieden wird, werden mehr Frauen präsent sein. Das wirkt sich auf Millionen von Frauen unterhalb der Führungsebenen aus. Wir beobachten die Umsetzung des Gesetzes und stellen fest: Die Vorgaben wirken. Für die Wissenschaft hat die Bundesregierung statt einer gesetzlichen Vorgabe ein anderes Modell gewählt. Der Bund hat mit den Ländern und den außerhochschulischen Forschungsorganisationen den Pakt für Forschung und Innovation geschlossen. Auch dieser Pakt zeigt positive Wirkungen. Bei Neuberufungen in höhere Funktionen konnte die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz in einigen Bereichen wesentliche Fortschritte feststellen. Die bestehenden Strukturen sind zäh; aber sie lassen sich verändern!

Wer als Frau den Weg an die Spitze geht, merkt schnell, dass nicht allein die Bedingungen im Unternehmen oder an der Universität oder in einer Behörde wichtig sind. Spätestens wenn Kinder kommen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Karriereplanung an Bedeutung gewinnt, geraten auch andere Rahmenbedingungen in den Blick: Als Frauen- und Familienministerin setze ich mich für gute Gesetze und Vereinbarungen ein, die Frauen und Männern gleiche Chancen in der Arbeitswelt und ein erfülltes Familien- und Privatleben ermöglichen. Das Elterngeld Plus erleichtert Teilzeitarbeit schon während des Elterngeldbezugs; wir fördern das Engagement von Männern in der Familie und bauen die Kinderbetreuung aus. Im öffentlichen Dienst bemühen wir uns, mit flexiblen und mobilen Arbeitszeiten und -modellen voranzugehen und zu zeigen: Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist möglich, auch in Führungspositionen.

Ich wünsche mir selbstbewusste Frauen und engagierte Männer, die weitere Veränderungen einfordern. Und ich möchte Sie ermutigen, sich an Ihren Einrichtungen, in Ihren Gremien und in Ihrem Umfeld für gute Rahmenbedingungen einzusetzen, damit Frauen und Männer auch in der Mathematik, den Naturwissenschaften und den Ingenieurwissenschaften die gleichen Chancen haben. Es hängt auch von Ihnen ab, von Ihrem Engagement, Ihren Netzwerken und Ihrer Solidarität. Bleiben Sie dran! Ich wünsche Ihnen eine spannende Konferenz und alles Gute für Ihren weiteren beruflichen Werdegang.

Manuela Schwesig
Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend